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Buntes Zusammenleben selbst erfahren – Eröffnung der Ausstellung „Youniworth“ in der Wittener Bibliothek

pfeilförmiges Schaubild

Täglich kommen aktuell tausende geflüchtete Menschen aus der Ukraine in Deutschland an – doch diesen Aktualitätsbezug konnten weder die Macher*innen von „Youniworth“, der neuen Ausstellung im Eingangsbereich der Wittener Bücherei, noch die Mitarbeiter*innen der Stadtbibliothek, bei der Planung vermuten. Denn darin können junge Menschen selbst erleben, wie es sich anfühlt, in einem fremden Land anzukommen, oder aber ihre eigene Perspektive auf die Begegnung mit Neuzugewanderten hinterfragen.

Am gestrigen Dienstag, 22. März 2022, wurde die neue interaktive Ausstellung offiziell eröffnet (sie läuft bis zum 9. April). Zu den geladenen Gästen gehörten auch die Landtagsabgeordnete der SPD Dr. Nadja Büteführ sowie Wittens Bürgermeister Lars König, der in seinem Grußwort der AWO für ihr kontinuierliches Engagement gegen Rassismus und für Toleranz in einer vielfältigen Gesellschaft dankte. Unter der Woche sind während der Öffnungszeiten der Bibliothek, (Dienstag bis Samstag, immer 10 bis 18 Uhr), Interessierte eingeladen, sich in der interaktiven Ausstellung einmal selbst in die Lage einer geflüchteten Person zu versetzen, sich selbst auf Vorurteile zu testen oder den spannenden Geschichten immigrierter Jugendlicher zu lauschen.

Vom Aufbruch bis zum ersten Fußballspiel

Alle Sinne werden in dieser Ausstellung bedient: Es gibt unter anderem eine Selfiestation, eine Tafel mit Wörtern „mit Migrationshintergrund“ (die also aus fremden Sprachen ins Deutsche übernommen wurden) und eine Station mit Musikbeispielen aus aller Welt. Doch ebenso lehrreich sind die Kurzvideos, die das Phänomen der Migration mitsamt seinen Ursachen und Konsequenzen erläutern.

Besonders gut gefällt Peggy Gergeley, Beraterin bei den Jugendmigrationsdiensten der AWO (Unterbezirk Ennepe-Ruhr), die erste Station mit dem Titel „Was nehme ich mit?“, bei der die Besuchenden sich in die Rolle junger Menschen versetzen dürfen. Sie sehen auf dem Bildschirm einen Koffer, den sie innerhalb weniger Sekunden mit den für sie wichtigsten Sachen füllen sollen. „Lange nachdenken kann man da nicht, man ist im Stress und muss los“, so Gergeley. Nachdem sie drei Gegenstände ausgewählt hat, ist die Zeit auch schon abgelaufen.

Hieran merken die jungen Leute, dass eine Flucht unter hohem Zeitdruck sehr nervenaufreibend ist und selbst wichtige Dinge wie offizielle Ausweispapiere dabei schnell vergessen werden können.

Ein weiteres Highlight stellen die vier Monitore an der Wandseite dar, auf denen vier zugewanderte Jugendliche von ihren Migrationserfahrungen berichten. Sie teilen Erfahrungen von ihrer Ankunft in Deutschland und dem Erlernen der Sprache, bis hin zu Hobbys wie dem Fußballspielen, die sie in Deutschland weiterführen können.

Im Anschluss können die Besucher*innen sich in einem Gästebuch verewigen und beschreiben, was für sie neu war, welche Erfahrungen besonders in Erinnerung geblieben sind und was aus ihrer Sicht womöglich in der Ausstellung gefehlt hat.

Ausstellung ist für Kinder ab der weiterführenden Schule empfohlen

Neben den Besuchen von Einzelpersonen sind in den folgenden Wochen bereits einige Besuche von Schulklassen geplant, wie Christine Wolf, Leiterin der Stadtbibliothek Witten, zu berichten weiß. Aufgrund der dynamischen pandemischen Lage ist die Ausstellung für eine Personengruppe von maximal 15 bis 20 Personen geeignet. Am besten geeignet ist sie für Kinder bei dem Wechsel auf die weiterführenden Schulen, also mit etwa 10 bis 11 Jahre. Die Jugendmigrationsdienste stellen zudem Materialien zur Vor- und Nachbereitung des Ausstellungsbesuches für Schulen bereit.

Terminabsprachen und (Gruppen-) Anmeldungen werden gerne von Larissa Boguta entgegengenommen unter Tel. 02302 2027992 oder per E-Mail an larissa.boguta(at)awo-en.de.

Beratung für neu Zugewanderte durch die AWO

Die Jugendmigrationsdienste (AWO) sind spezialisiert auf die Betreuung von 18- bis 27-jährigen Neuankömmlingen im Übergang von Schule zu Beruf. Dabei bildet ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit das sogenannte „case management“, bei dem die Personen über einen längeren Zeitraum und in mehrschrittigen Prozessen betreut werden, mit dem Ziel, sie zu integrieren.

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